Breaking Hartz - Eine Podcastreihe über Langzeitarbeitslosigkeit

Wie schön, dass Du den Weg zu unserer Mini-Podcastreihe über Langzeitarbeitslosigkeit gefunden hast! Hör gerne rein!

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Serafina & Angelika

Bild: Eigene Darstellung

Teil 1 - Begriffe und Zahlen

In Teil 1 klären wir einige Begrifflichkeiten (Arbeitslosigkeit, Erwerbslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, Langzeitleistungsbezug, etc. - Was ist das alles und wo genau liegt der Unterschied?) und bereiten ein paar Zahlen auf.

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Angelika: Herzlich Willkommen bei unserer kleinen Mini-Podcast-Reihe über Langzeitarbeitslosigkeit. Ich bin Angelika und das ist Seraphina. 

Serafina: Ja Hallo. 

Angelika: Wir studieren an der Universität Potsdam Soziologie im Master und nehmen die Podcast-Reihe im Rahmen eines Seminars bei Frau Dr. Fritsch auf. Themenschwerpunkte des Seminars sind unter anderem der Arbeitsmarkt und soziale Ungleichheit. Wir wollen uns explizit mit Langzeitarbeitslosigkeit beschäftigen. Dazu kurz und knapp: In der ersten Folge wollen wir euch einen kurzen Überblick über das Thema Langzeitarbeitslosigkeit geben - also worum es sich dabei überhaupt handelt. In der zweiten Folge soll es dann um die Stigmatisierung von Langzeitarbeitslosen gehen. In der dritten Folge beschäftigen wir uns dann mit der wechselseitigen Beeinflussung von Gesundheit und Langzeitarbeitslosigkeit. Aber warum ist es eigentlich wichtig, sich mit dem Thema zu beschäftigen, fragt ihr euch vielleicht? 

Serafina: Ja, die Pandemie oder besser gesagt die Covid-19-Pandemie hat uns alle immer noch fest im Griff. Wir alle kennen Menschen, die von ihr auch ökonomisch betroffen sind und es gibt viele Menschen, die sich Sorgen machen, um den Verlust ihrer Arbeit, um den Verlust ihrer Geschäfte, ihrer Cafés und Restaurants. Menschen, die darauf angewiesen sind, kreative Wege zu finden, teilweise auch nicht die Möglichkeit haben, die Zuschüsse zu bekommen und dann sogar auf Spenden angewiesen sind. Dieses Thema Arbeitslosigkeit und Jobverlust ist natürlich nicht nur auf die Pandemie begrenzt und spätestens seit der großen Thematisierung durch die Hartz-Reform wurde die Arbeitslosigkeit und explizit auch die Langzeitarbeitslosigkeit immer weiter diskutiert und war auch immer Thema. Sinkende Arbeitslosenquoten werden ja auch gerne verstanden als ein Indikator dafür, dass es einem Land oder zumindest einer Wirtschaft gut geht. Als wir angefangen haben, uns mit dem Thema zu beschäftigen, ist uns ziemlich schnell aufgefallen, dass das, was wir unter Arbeitslosigkeit verstehen, eigentlich unter die Langzeitarbeitslosigkeit fällt und das wiederum ist ziemlich interessant, denn wenn wir uns die Zahlen anschauen, dann sieht man, dass nur ein Drittel der Arbeitslosen auch langzeitarbeitslos sind und Zweidrittel unter die Kurzzeitarbeitslosigkeit fallen. Na gut, aber bevor wir jetzt hier gleich mit Zahlen und Fakten einsteigen, wäre es vielleicht nochmal gut, wenn wir über ein paar Begrifflichkeiten hier reden. 

Angelika: Das ist tatsächlich ganz gut, denn es gibt im Alltag viele Begriffe, die einfach synonym gebraucht werden, obwohl sie es gar nicht sind. Sie sind nämlich klar definiert und es ist demnach auch klar, wer beispielsweise erwerbslos, wer arbeitslos und wer langzeitarbeitslos ist. 

Serafina: Okay, dann fangen wir vielleicht einfach mal an mit dem Unterschied zwischen Erwerbslosigkeit und Arbeitslosigkeit. 

Angelika: Alles klar. Also ich fang mal an mit den Erwerbslosen. Nach der ILO, der Internationalen Arbeitsorganisation, ist die Definition von Erwerbslosen folgende: Es sind nicht erwerbstätige Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren, die in den letzten 4 Wochen aktiv nach einer Tätigkeit gesucht haben und eine solche innerhalb von zwei Wochen aufnehmen könnten. Dabei ist es egal, ob die betreffenden Personen bei einer staatlichen Institution gemeldet sind oder ob sie dort Sozialleistungen beziehen. Im deutschen Gesetz gibt es außerdem eindeutige gesetzliche Definitionen, nachzulesen im SGB 2 und SGB 3, die definieren, wer als arbeitslos gilt. Arbeitslose sind vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis, dabei aber auf der Suche nach einer versicherungspflichtigen Beschäftigung. Sie haben sich zudem persönlich bei einer Agentur für Arbeit oder einem Jobcenter als arbeitslos gemeldet und sind damit den Vermittlungsbemühungen zur Verfügung gestellt. 

Serafina: Na gut, aber wann wird denn jetzt der eine Begriff und wenn der andere benutzt? 

Angelika: In amtlichen Statistiken wird der Begriff der Erwerbslosigkeit verwendet, wenn die Zahlen nach dem ILO-Konzept abgegrenzt werden. Arbeitslosigkeit benutzt man dann, wenn es sich um die Registerdaten der Bundesagentur für Arbeit handelt. 

Serafina: Okay, naja, ist ja auch irgendwie dann ganz logisch. Ja, aber dann gibt es auch noch einen weiteren Unterschied, den wir schon vorhin kurz angesprochen haben. Es gibt Kurzzeitarbeitslosigkeit und es gibt Langzeitarbeitslosigkeit. Aber was heißt denn jetzt hier kurz und was lang?

Angelika: Tatsächlich ist das auch ganz genau definiert, und zwar ist man nur dann kurzzeitarbeitslos, wenn die Dauer der Arbeitslosigkeit unter einem Jahr ist und langzeitarbeitslos ist man dann entsprechend, wenn die Dauer der Arbeitslosigkeit durchgehend ein Jahr oder länger ist. 

Serafina: Okay. Und ein letzter Begriff, der uns auch immer wieder über den Weg gelaufen ist, ist der Begriff des Langzeitleistungsbezugs - auch ein schöner Begriff. Genau und was genau ist das? Denn das wird ja häufig auch synonym für Langzeitarbeitslosigkeit verwendet: Ist das das Gleiche? 

Angelika: Nee, tatsächlich nicht. Also Langzeitleistungsbeziehende sind erwerbsfähige Personen. Aber man kann auch langzeitleistungsbeziehend sein, ohne arbeitslos zu sein: Denn im Unterschied zu Arbeitslosengeld 1 ist Arbeitslosigkeit keine Voraussetzung für den Bezug von Arbeitslosengeld 2 und entscheidend für diesen Bezug ist dann die Bedürftigkeit des Leistungsbeziehenden beziehungsweise seiner im Haushalt lebenden Familienmitglieder. Der Zeit-Aspekt kommt dann hinzu, wenn sie in den vergangenen 24 Monaten mindestens 21 Monate auf Leistungen angewiesen waren, dann gelten sie nicht als Langzeitleistungsbeziehende. Man kann sich an dieser Stelle natürlich die Frage stellen, wer die Menschen überhaupt sind, die betroffen sind von Langzeitarbeitslosigkeit? Wir haben dafür eine Reihe von Merkmalen identifizieren können, die auf Langzeitarbeitslose deutlich häufiger zutreffen als auf Menschen, die erwerbstätig sind. 

Serafina: Ja, es gibt tatsächlich sogar 8 Merkmale, die man zusammenfassen kann für Menschen, die langzeitarbeitslos sind. Ein großes Merkmal ist der Langzeitleistungsbezug, über den wir eben gerade auch schon gesprochen haben. Es gibt natürlich auch hier eine große Schnittmenge, aber die Begriffe sind nicht das Gleiche und können nicht synonym verwendet werden. Ein weiteres Merkmal sind schwerwiegende gesundheitliche Einschränkungen. Und da kommen wir dann auch schon zu dem nächsten Punkt, dem Alter. Denn natürlich lässt mit zunehmendem Alter auch die Gesundheit gerne nach und deswegen kann man sehen, dass ein Großteil der Langzeitarbeitslosen tatsächlich über 50 Jahre alt ist. Damit einhergehend ist es natürlich auch schwieriger, wieder eingegliedert zu werden in den Arbeitsmarkt. Daher ist das Alter ein wichtiger Aspekt an der Stelle. 

Angelika: Jüngere Menschen sind natürlich im Gegensatz dazu auch von Arbeitslosigkeit betroffen, allerdings in den meisten Fällen von Kurzzeitarbeitslosigkeit. Bei ihnen kommt es auch stark auf das soziale Umfeld an, zum Beispiel die Familie oder das Stadtviertel, in dem sie groß werden. Wenn dort vermehrt Menschen schon von Arbeitslosigkeit betroffen sind, ist das Risiko größer, dass sie auch arbeitslos werden. 

Serafina: Genau und ein weiteres Merkmal für Menschen, die langzeitarbeitslos sind, sind tatsächlich schlechte Deutschkenntnisse. Und auch ein fehlender Bildungsabschluss und oder ein fehlender Berufsabschluss können sich negativ auswirken. Sie Statistiken zeigen, dass über die Hälfte der Langzeitarbeitslosen keinen Berufsabschluss haben. Und ein letzter Punkt, den man auch nicht vergessen darf, ist der Aspekt der Pflege. Also Pflege sowohl von Angehörigen, aber auch die Betreuung von Kindern zum Beispiel, die insbesondere Kleinkinder von unter drei Jahren einschließt, lassen sich häufig wiederfinden als Merkmal von Langzeitarbeitslosen. 

Insgesamt, wenn man jetzt alle diese Merkmale sich anschaut, also den Langzeitleistungsbezug, die gesundheitlichen Einschränkungen, das Alter, schlechte Deutschkenntnisse, fehlende Bildungsabschlüsse, Berufsabschlüsse und die Pflegearbeit und Betreuung von Kindern, dann kann man sehen, dass nur 5 % der SGB 2-Leistungsbeziehenden überhaupt keinen dieser Faktoren aufweist. Und fast die Hälfte aller SGB 2-Leistungsbeziehenden weisen sogar drei oder mehr dieser Hemmnisse auf. 

Wenn wir jetzt schon beim Thema Pflege sind, ist es ja allgemein bekannt, dass die Care Arbeit häufiger von Frauen übernommen wird. Und dann stellt sich natürlich hier auch die Frage, ob es einen Geschlechterunterschied bei der Langzeitarbeitslosigkeit gibt. Tatsächlich ist dieser Unterschied gar nicht so groß, wie man es vielleicht erwarten würde. Männer sind zwar sowohl von Langzeitarbeitslosigkeit als auch von Kurzzeitarbeitslosigkeit häufiger betroffen als Frauen, aber der Unterschied beträgt nur circa 10 %. 

Angelika: Im Ländervergleich gibt es im Gegensatz zum Geschlecht gravierende Unterschiede in Bezug auf die Langzeitarbeitslosenzahlen. Um die Zahlen in eine bessere Dimension zu bekommen, hier noch mal die Arbeitslosenquote in Deutschland. Die liegt nämlich bei 6,3%, Stand Januar 2021. Zur Erinnerung: Davon sind in Deutschland ungefähr 30 % langzeitarbeitslos. In Bremen sind von den Arbeitslosen am meisten Menschen langzeitarbeitslos - knapp 40 % aller Arbeitslosen sind hier langzeitarbeitslos. In Bayern sind es gerade mal ungefähr 19 % und in Baden-Württemberg ungefähr 23 %. Es fällt also auf, dass es in Deutschland eine Art Nord-Süd-Gefälle gibt: Dass die Langzeitarbeitslosenzahlen in den südlichen Bundesländern deutlich niedriger sind als in nördlichen Bundesländern. Wir haben zusätzlich dazu noch ein paar Zahlen zum europäischen Vergleich herausgekramt. Diese beziehen sich auf die Langzeiterwerbslosenquote von 2018. Wir haben also auf der einen Seite die Erwerbslosenquote und nicht die Arbeitslosenquote und wir haben wieder den Anteil der Langzeiterwerbslosen an der Gesamtbevölkerung. Dadurch solltet ihr euch nicht verwirren lassen, da die Zahlen jetzt vielleicht ein bisschen geringer ausfallen. In Deutschland liegt die Langzeiterwerbslosenquote 2018 bei 1,4 % - sie liegt damit unter dem europäischen Mittelwert, der bei 2,9 % liegt. Die höchste Langzeiterwerbslosenquote 2018 hat Griechenland mit 13,6 %. Und die Tschechische Republik hat die niedrigste mit 0,7 %. 

Serafina: Puh, jetzt haben wir aber auch genug Zahlen und Fakten gehört. Alle Quellenangaben zu unserer heutigen Folge könnt ihr auch in der Beschreibung finden. Wir hoffen, es hat euch gefallen! In der nächsten Folge beschäftigen wir uns mit der Stigmatisierung von Langzeitarbeitslosen. Bis dahin wünschen wir euch alles Gute.

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Teil 2 -Stigmatisierung

In dieser Folge beschäftigen wir uns mit dem Begriff der Stigmatisierung und veranschaulichen das Phänomen am Beispiel der Langzeitarbeitslosigkeit. Hör gerne rein, wenn Du erfahren möchtest, wie Langzeitarbeitslose stigmatisiert werden, wie man Stigmatisierung messen kann und welche Auswirkungen sie für die Betroffenen hat.

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Serafina: Hallo für alle, die die erste Folge nicht gehört haben. Wir studieren an der Uni Potsdam Soziologie im Master und beschäftigen uns in dieser Podcast-Triologie mit dem Thema Langzeitarbeitslosigkeit. 

Angelika: In der letzten Folge haben wir uns bereits einen allgemeinen Überblick über die Thematik verschafft und die heutige Folge widmet sich dem Thema der Stigmatisierung von Langzeitarbeitslosen. 

Serafina: Aber wieso kommt man überhaupt auf das Thema Stigmatisierung, wenn man über Langzeitarbeitslosigkeit redet? 

Angelika: Die Arbeit ist ja nicht nur Mittel zur Bestreitung des Lebensunterhalts. Wenn wir arbeiten, dann fangen wir ja auch an, uns mit der Arbeit zu identifizieren, und es wird Teil unseres sozialen Status oder wird zu einem Teil unserer Position in der Gesellschaft. Wir nehmen über unsere Arbeit eine spezielle gesellschaftliche Rolle ein und damit in Verbindung steht ja auch eine gesellschaftliche Anerkennung. Auf der Arbeit lernen wir Leute kennen, also es wird Teil unseres sozialen Umfeldes. Die Menschen werden Teil unseres sozialen Umfeldes, und damit ist die Arbeit auch ein Ort der sozialen Vernetzung. 

Serafina: Gleichzeitig darf man natürlich nicht vergessen, dass im Kapitalismus auch ein Druck besteht, ein Druck, produktiv zu sein. Aber wie ist man am besten produktiv? Im Idealfall findet das dann in einem normalen Arbeitsverhältnis statt. Das heißt, man arbeitet in Vollzeit oder Teilzeit und mindestens 21 Stunden die Woche. Der Arbeitsvertrag ist unbefristet, und man ist in die sozialen Sicherungsysteme integriert. Wer nicht in einem solchen Normalarbeitsverhältnis tätig ist, der weicht sozusagen von der Norm ab, und das können Menschen sein, die in prekären Arbeitsverhältnissen tätig sind oder arbeitslos sind. Diese Menschen laufen dann Gefahr, stigmatisiert zu werden. Das merkt man dann besonders an Schimpfwörtern wie Sozialschmarotzerin, Hartzer usw. Aber jetzt sollten wir wahrscheinlich erst mal wieder einen Schritt zurückgehen und nochmal kurz drüber reden, was ist eigentlich ein Stigma, was meint man damit? 

Wenn man sich mit dem Begriff Stigma auseinandersetzt, kommt man um eine Person nicht drum herum: den kanadischen Soziologen Erving Goffman. Ihm zufolge bezeichnet ein Stigma ein sichtbares oder unsichtbares Merkmal einer Person, wie Goffman sagt, ist dieses Merkmal zutiefst diskreditierend und dessen Wirkung sehr extensiv. Es ist an dieser Stelle wichtig festzuhalten, dass nicht das Merkmal selbst negativ bewertet wird, sondern die Assoziationen, die damit verbunden werden, also quasi eine Art Stereotypisierung. Eine stigmatisierte Person ist also Trägerin eines spezifischen Merkmals, das von allgemeinen bestehenden Erwartungen in negativer Weise abweicht oder von der Person selbst als abweichend empfunden wird. 

Goffman unterscheidet dabei 3 verschiedene Arten von Stigmata: 

Die erste Art dreht sich um körperliche Merkmale, die als von der Norm abweichend empfunden werden. Dazu zählen zum Beispiel Stigmata gegenüber Menschen mit Behinderung. 

Bei der zweiten Art handelt es sich um phylogenetische, also ethnische und kulturelle Stigmata, zum Beispiel rassistische Stigmata. 

Die dritte Art von Stigmata bezeichnet Goffman als individuelle Charakterfehler. Hier zählt er auch beispielsweise die Arbeitslosigkeit auf. 

Achtung: Goffman bezeichnet hier nicht Arbeitslosigkeit als Charakterfehler, sondern er sieht in dieser Form der Stigmatisierung einen Bezug zu bestimmten Charaktereigenschaften, die negativ bewertet werden - zum Beispiel Faulheit. 

So viel zu Goffman. Allgemein wurde nachgewiesen, dass Stigmatisierung für die betroffenen negative Auswirkungen auf die Gesundheit, das Selbstbewusstsein und die Leistungen im Bildungssystem hat. Aber wie kann man Stigmatisierung überhaupt messen? 

Angelika: Wenn wir jetzt beim Thema Stigmatisierung von Arbeitslosen allgemein bleiben, dann können wir uns als Beispiel die Skalen von Thomas Go und Monika Jungbauer ganz anschauen. Sie haben zwei Skalen entwickelt, die für die quantitative Forschung genutzt werden können. Dabei unterscheiden sie zwischen einer Vorurteil-Skala und eine Stigma-Bewusstsein-Skala. 

Mit der Vorurteil-Scala versucht man durch Fragen herauszufinden, welche Vorurteile gegenüber Arbeitslosen vorhanden sind und wie stark diese ausgeprägt sind. Beispielsweise wird hier gefragt: “Was schätzen Sie, wie viele von 100 Arbeitslosen suchen wirklich einen Job?”. Mit der Stigma-Bewusstsein-Skala wird versucht herauszufinden, ob sich Arbeitslose stigmatisiert fühlen. Und wenn ja, in welcher Form und in welchem Ausmaß. Hier werden dann die Befragten gebeten zu sagen, ob die Aussagen auf sie zutreffen. Zum Beispiel: “In bestimmten Situationen bemühe ich mich zu verheimlichen, dass ich arbeitslos bin.” Oder: “Ich fühle mich eher anderen Arbeitslosen verbunden als Personen, die erwerbstätig sind.” 

Serafina: Jetzt kennen wir ja eine Art, wie man Stigma-Bewusstsein messen könnte. Aber wenn es gemessen wird, was zeigt sich dann? 

Angelika: Sebastian Lang und Christiane Groß haben zum Beispiel herausgefunden, dass Frauen tendenziell ein höheres Stigma-Bewusstsein haben als Männer. Das ist insofern interessant, als dass die AutorInnen davon ausgegangen sind, dass rein nach dem Hauptverdiener-Modell theoretisch der Druck bei Männern größer sein müsste, Geld zu verdienen und dementsprechend dann auch das Stigma größer sein müsste, wenn sie in die Arbeitslosigkeit geraten. Unter Frauen haben die Frauen ein niedrigeres Stigma-Bewusstsein, wenn bei ihnen im Haushalt Kinder da sind und das besonders bei Kindern zwischen 4 bis 9 Jahren. Die Länge der Arbeitslosigkeit hat auch einen Einfluss auf das Stigma-Bewusstsein und das ist besonders interessant, wenn man die Langzeitarbeitslosigkeit betrachtet. 

Lange und Groß haben auch herausgefunden, dass sich das Stigma-Bewusstsein erhöht, wenn es zwei Arbeitslosigkeitsperioden gibt. Wenn es aber mehr Arbeitslosigkeit-Episoden gibt, dann sinkt das Stigma-Bewusstsein. Mit Arbeitslosigkeit-Episoden ist nicht die Länge gemeint, sondern wirklich die Anzahl der Arbeitslosigkeit, wenn also jemand zwischendurch wieder gearbeitet hat und dann wieder arbeitslos wird. 

Die Höhe des Haushaltseinkommens hat keinen Einfluss auf das Stigma-Bewusstsein. Allerdings hat die empfundene Verzichts-Wahrnehmung einen Einfluss darauf. Wenn jemand das Gefühl hat, auf etwas verzichten zu müssen aufgrund der Arbeitslosigkeit, wächst damit auch das Stigma-Bewusstsein. Wir haben jetzt herausgefunden, wie man Stigma-Bewusstsein messen kann und welche Faktoren Einfluss darauf nehmen können. Aber was heißt das jetzt für die Personen, die sich stigmatisiert fühlen? 

Serafina: Ein hohes Stigma-Bewusstsein wirkt sich negativ auf Gesundheit und Lebenszufriedenheit von Arbeitslosen aus. Auch soziale Beziehungen leiden darunter. Beispielsweise werden Kontakte, die vor Eintritt in die Arbeitslosigkeit bestanden, aus Scham und internalisierte Stigmatisierung weniger gepflegt. Arbeitslose mit hohem Stigma-Bewusstsein suchen intensiver nach Jobs und schätzen eine Wiedereinstellung mehr als Arbeitslose mit niedrigerem Stigma-Bewusstsein. 

Angelika: Man könnte schlussfolgern, dass Stigmatisierung gar nicht so schlimm ist. Hilft sie vielleicht sogar beziehungsweise hilft das damit verbundene Stigma-Bewusstsein dabei, dass arbeitslose Menschen schneller wieder einen Job finden? 

Serafina: Gute Frage - könnte man denken, ist aber tatsächlich nicht der Fall. Die Motivation ist zwar höher, aber das heißt nicht, dass die Arbeitslosigkeit dadurch kürzer wird. Nur weil eine Person motivierter bei der Jobsuche ist, muss diese dadurch nicht erfolgreicher sein. Die Stigmatisierung von Arbeitslosen scheint nämlich viele Arbeitgebende davon abzuhalten, Menschen einzustellen, die längere Zeit arbeitslos waren. Beispielsweise hat Patrick Nüss ein Experiment durchgeführt, bei dem er auf die gleiche Stelle mehrere Bewerbungen geschickt hat. Dabei kam heraus, dass es deutlich weniger Rückrufe gab, wenn die Person, die sich beworben hat, länger als 10 Monate arbeitslos war und das, trotz ansonsten identischer Bewerbung. Abschließend lässt sich also eines festhalten: Arbeitslosigkeit ist nicht nur einfach ein temporärer Zustand, sondern vielmehr prägt sie die soziale Identität einer Person, die arbeitslos ist. 

In der nächsten Folge geht es dann um ein Thema, das wir heute bereits ein wenig angeschnitten haben, und zwar um den Zusammenhang von Gesundheit und Langzeitarbeitslosigkeit. Alle verwendeten Quellen könnt ihr auch in der Beschreibung finden.

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Teil 3 - Gesundheit

In unserer dritten und letzten Folge sprechen wir über die Wechselwirkungen zwischen Gesundheit und Langzeitarbeitslosigkeit und stellen uns die Frage, ob Langzeitarbeitslose in einer Art „Teufelskreis“ gefangen sind. Außerdem schauen wir uns an, was wir insgesamt aus diesem Podcast-Projekt mitgenommen haben.

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Angelika: Hallo und Willkommen zurück bei unserer finalen Podcast-Folge zum Thema Langzeitarbeitslosigkeit. Für alle, die die anderen beiden folgen noch nicht gehört haben wir sind Angelika und Seraphina. Wir studieren Soziologie im Master an der Universität Potsdam und nehmen diese kleine Podcast Reihe im Rahmen eines Seminars bei Frau Dr. Fritsch auf. Wir haben heute einen Bezug zu unserer letzten Folge, in der es um die Stigmatisierung von Arbeitslosen geht. Da haben wir schon festhalten können, dass die Arbeit nicht nur zum Geld verdienen, da ist, sondern auch eine große Rolle spielt bei der Identifizierung und der sozialen Vernetzung und dass das Fehlen einer Arbeitsstelle konkrete Folgen für den Menschen hat, der arbeitslos ist. Heute beschäftigen wir uns mit den Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die Gesundheit und das sowohl psychisch als auch physisch. 

Serafina: Ja, und das ist auch kein neues Thema. Sein bereits in den 1930 er Jahren wurde eine Studie veröffentlicht, die zu den Klassikern der Soziologie gehört und die vielen, vielleicht auch ein Begriff sein wird, und zwar die Marienthal Studie. Die Studie wurde von Marie Jahoda, Paul Lazarsfeld und Hans Zeisel geführt und ist eine der ersten systematischen Untersuchungen über psychosoziale Folgen von Arbeitslosigkeit. Das ursprüngliche Ziel war aber jetzt nicht unbedingt die Betrachtung von gesundheitlichen Folgen oder dergleichen. Vielmehr ging es darum herauszufinden, ob Arbeitslosigkeit zu politischer Radikalisierung führt. Eine These, die aber nicht bestätigt wurde. Aber dazu kommen wir später dann nochmal deswegen jetzt erstmal nochmal einen Schritt zurück. Die Studie heißt Marienthal Studie, weil sie sich mit einem kleinen Dorf 30 Kilometer Süd östlich von Wien beschäftigt beziehungsweise dort stattgefunden hat, durchgeführt wurde und der kleine Ort heißt eben Marienthal. In Marienthal gab es eine Textil Fabrik, die schließen musste und das, aufgrund der Weltwirtschaftskrise damals. Und als Folge waren dreiviertel aller Haushalte von Unterstützungszahlungen aus der Arbeitslosenversicherung abhängig. 

Um dort die Studie durchzuführen, haben Jahoda und Lazarsfeld und Zeise verschiedene Methoden genutzt, und zwar sowohl Beobachtung, also eine qualitative Forschung, durchgeführt, als auch statistische Daten genutzt. Um eben dort herauszufinden, ob es Veränderungen im Verhalten von den Menschen gibt, die dort in Marienthal leben. Als Ergebnis haben Sie im herausgefunden zum einen, dass die Teilnahme in politischen Parteien deutlich zurückgegangen ist. Was schon ziemlich schnell ihre Anfangsthese oder Ihre Anfangsidee von einer Radikalisierung oder politischen Radikalisierung dann nicht bestätigt hat. Auch wurde herausgefunden, dass die Bibliothek deutlich weniger genutzt wurde, was auch einer These widersprochen hat, dass Menschen, die arbeitslos sind, theoretisch mehr Zeit haben müssten, um Aktivitäten nachzugehen, für die sie sonst keine Zeit gehabt hätten. Und dazu zählt eben auch, dass es deutlich weniger Freizeit Veranstaltungen stattgefunden haben als vor der Schließung der Textil Fabrik. 

Jahoda, Lazarsfeld und Zeisel konnten auch vier Haltungstypen definieren, und zwar zum einen haben sie Menschen vorgefunden, die sie als die sogenannten ungebrochenen definiert haben, die also keinerlei Veränderungen in ihrer Stimmung oder Einstellung, Haltung besser gesagt, feststellen ließen. Dann gab es Menschen, die resigniert waren durch die Arbeitslosigkeit. Und dann gab es Menschen, die verzweifelt. Und Menschen, die apathisch sogar waren. 

Fast 3 Viertel der Menschen in Marienthal konnten zu der Gruppe der Resignierten gezählt werden, fast ein Viertel zu der Gruppe der ungebrochenen und fast jeder 12 zu der Kategorie der Verzweifelten beziehungsweise der Apathischen. Darüber hinaus haben sie in der Studie versucht zu untersuchen, wie sich das Zeiterleben der Menschen in Marienthal verändert. Und dazu haben Sie eine ganz interessante Methode angewandt, und zwar haben sie gemessen, wie sich die Gehgeschwindigkeit der Menschen verändert und dazu wurde sich wirklich in die Mitte von Marienthal gestellt, in die Hauptstraße sozusagen und immer wieder gemessen. Wie lange die Menschen brauchen, um von einem Ende der Straße zum anderen zu laufen. Als Ergebnis hat sich dann gezeigt, dass sich die Geschwindigkeit deutlich verlangsamt hat und das besonders bei Männern und die Erklärungen sahen die Untersuchenden da drin, dass Frauen vielleicht ihre Arbeitsstelle verloren haben. Aber da sie immer noch Hausarbeiten verrichten, mussten sich die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit anders gezeigt hat oder zumindest im Zeit erleben nicht so stark gezeigt hat wie bei Männern. 

Als Schlussfolgerung aus der ganzen Studie haben Jahoda, Lazarsfeld und Zeise festgehalten, dass die Arbeit mehrere Bedeutungen für Menschen hat. Teilweise überschneidet sich das auch mit dem, was wir auch schon in der letzten Folge gesagt haben, aber hier jetzt nochmal die Zusammenfassung der Ergebnisse aus der Marienthal Studie. Und zwar bedeutet Arbeit eine Strukturierung des Zeit Erlebens sie erweitert den sozialen Horizont, das heißt, dass die soziale Vernetzung auch jenseits der Familie stattfinden kann durch die Arbeit. Die Arbeit gibt Menschen einen sozialen Platz in der Gesellschaft, und sie bindet durch die regelmäßige Tätigkeit an die soziale Realität. Die Marienthal Studie hat heute auf jeden Fall auch noch Relevanz. Denn nicht nur die Umsetzung des methodischen Mixed Methods Ansatz ist gelungen. Auch die inhaltlichen Ergebnisse werden in aktuellen Veröffentlichungen immer wieder aufgegriffen und ergänzt. 

Angelika: Die Marienthal Studie hat heute auf jeden Fall auch noch Relevanz. Denn nicht nur die Umsetzung des methodischen Mixed Methods Ansatz ist gelungen. Auch die inhaltlichen Ergebnisse werden in aktuellen Veröffentlichungen immer wieder aufgegriffen und ergänzt. Inzwischen wissen wir daher, dass es verschiedene Arten von psychosozialen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit gibt, dazu zählen Resignation, Rückzug, ein vermindertes Selbstwertgefühl, Konflikte in der Familie und der Partnerschaft, soziale Isolation, Schlafstörungen, Angst, Erkrankungen, eine fehlende Tages-Strukturierung und depressive Störungen. Es konnte ein deutlicher Zusammenhang zwischen ärztlich diagnostizierten Depressionen und Arbeitslosigkeit nachgewiesen werden. Und was dazukommt, ist, dass dieser Effekt auch noch weiter zunimmt, je höher die Dauer der Arbeitslosigkeit ist. 

Insgesamt kann Arbeitslosigkeit also ein Stressor sein und die psychische Belastung kann gesundheitlich riskante Verhaltensweisen fördern. Dazu zählen unter anderen ein vermehrter Suchtmittelkonsum. Also dazu muss ich noch einen Hinweis sagen. Bei dem Alkoholkonsum sind die Effekte eher uneindeutig, weil es sozusagen nur nachgewiesen wurde, dass Arbeitslose häufiger riskante Mengen von Alkohol konsumieren oder alkoholabhängig sind, aber kein genereller Mehrkonsum von Alkohol nachgewiesen werden kann. Es gibt auch hier einen Zusammenhang von der Dauer der Arbeitslosigkeit und der Stärke des Alkoholkonsums. Weitere gesundheitlich riskante Verhaltensweisen wären eine ungesundere Ernährung, eine physische Inaktivität oder veränderte Schlafgewohnheiten und ein erhöhtes Unfall Risiko. 

Serafina: Heißt das, dass Arbeitslosigkeit primär psychische Auswirkungen hat für Menschen, die arbeitslos sind? 

Angelika: Sie kann auch somatische Auswirkungen haben, denn Arbeitslose leiden im Vergleich zu Erwerbstätigen häufiger an allen möglichen Erkrankungen von Magen-Darm-Beschwerden über Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten bis zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Also halten wir noch mal fest: Arbeitslosigkeit sorgt dafür, dass soziale Ressourcen sich verringern, der Stress sich erhöht und schwere Erkrankungen beim Menschen häufiger auftreten. Das sorgt dann auch dafür, dass die Mortalität sich erhöht und damit die Lebenserwartung sinkt. 

Mortalität kann auf zwei Ebenen betrachtet werden. Einerseits gibt es die Kontextebene. Dazu kann eine ganze Region betrachtet werden. Es zeigte sich, die Lebenserwartung in Regionen mit hohen Arbeitslosenquoten ist insgesamt niedriger als die Lebenserwartung in Regionen mit niedrigen Arbeitslosenquoten. In den Kreisen mit den höchsten Arbeitslosenquoten gibt es eine ungefähr 2,5 Jahre niedrigere Lebenserwartung als im Kreis mit der niedrigsten Arbeitslosenquote. 

Andererseits kann man noch die Individualebene betrachten. Dabei wird die Arbeitslosigkeitserfahrung in einer einzelnen Person betrachtet. Dieser erhöhen das individuelle Mortalitätsrisiko. Das auch mit der Dauer der Arbeitslosigkeit zunimmt und verringern damit dann auch die Lebenserwartung der einzelnen Personen. 

Puh, das klingt alles ganz schön schrecklich. Können wir jetzt daraus schließen, dass Arbeitslosigkeit, insbesondere Langzeitarbeitslosigkeit, krank macht und im schlimmsten Fall zum frühzeitigen Tod führt? 

Serafina: Naja, hierzu kann man eigentlich nur ein ganz klares Jein sagen. Denn tatsächlich gibt es verschiedene Thesen, die versuchen, die Zusammenhänge zwischen Gesundheit oder der fehlenden Gesundheit und Arbeitslosigkeit zu erklären. Also zum einen gibt es tatsächlich die These, die sich Kausationsthese nennt und die genau das sagt, was du eben gerade schon gesagt hast, und zwar, dass Arbeitslosigkeit ein belastender psychischer Stressor ist und so werden dann Depressionen und Angststörungen erklärt, die bei Arbeitslosen vermehrt auftreten. 

Allerdings gibt es auch die Selektionsthese und die geht genau andersherum an die Thematik heran. Wie wir uns in der ersten Folge auch schon angeschaut haben, leiden viele Menschen, die arbeitslos sind, an Erkrankungen. Und diese Erkrankungen verhindern im schlimmsten Fall auch die Wiedereinstellung. Also kann man hier dann auch überlegen, ob nicht die Erkrankung oder Behinderung die Arbeitslosigkeit verursacht.

Als letztes gibt es auch noch Kompositionseffekte. Hierbei geht es darum, dass Arbeitslosigkeitsrisiken auch ungleich verteilt sind. Das heißt Arbeitslose haben häufiger keine oder niedrige schulische beziehungsweise berufliche Qualifikation. Und das heißt, dass sie schon vor Eintritt in die Arbeitslosigkeit eine geringere Ressourcenausstattung hatten, also zum Beispiel schon vorher einen höheren Armutsrisiko ausgesetzt waren. Und das darauf auf die geringere Ressourcenausstattung ein Teil der gesundheitlichen Auswirkungen zurückzuführen ist. Es besteht also die Gefahr, dass die gesundheitlichen Effekte von Arbeitslosigkeit überschätzt werden, wenn man nicht bedenkt, dass auch gesundheitliche Probleme die Ursache für Arbeitslosigkeit sein können. 

Insgesamt ist es also schwierig, hier zu sagen was ist die Henne, was ist das Ei. Also, wenn jemand eine Vorerkrankung hat, kann es auf der einen Seite natürlich den Wiedereintritt in den Arbeitsmarkt erschweren. Aber auf der anderen Seite stellt auch die Arbeitslosigkeit ein Stressor dar, der die Erkrankung im Zweifelsfall verschlimmert oder auslöst. Und insofern gibt es hier keine klare Antwort. Festzuhalten ist nur, dass Arbeitslose häufiger krank sind als Erwerbstätiger. 

Angelika: Ganz schön ernüchterndes Ergebnis. Das heißt ja gleichzeitig, dass das für Arbeitslose eine Art Teufelskreis sein kann, wenn die Arbeitslosigkeit den Gesundheitsstatus beeinflusst und die schlechte Gesundheit die Wiedereinstellung unwahrscheinlicher macht. Aber bevor wir diese Folge und damit auch die ganze Reihe jetzt abschließen, möchten wir noch einmal festhalten, was uns in diesem Projekt erstaunt hat und was wir daraus mitnehmen. 

Serafina: Ja, also zunächst einmal schon bei der Recherche zur ersten Folge ist relativ schnell für mich klar geworden, dass das, was ich vorher allgemein als Arbeitslosigkeit definiert hatte, für mich eigentlich unter Langzeitarbeitslosigkeit fällt und das hat. Dann auch dazu geführt, dass ich so ein bisschen hinterfragt habe, wie mein Bild zur Arbeitslosigkeit eigentlich entstanden ist, was für ein Bild ich im Kopf habe, wenn ich an Arbeitslosigkeit denke. Dazu dann auch ein bisschen dieses kritische Hinterfragen, wie man mit Menschen auch interagiert, wenn, wenn das Thema Langzeitarbeitslosigkeit aufgeht. Also ich selbst hab nicht so viele Kontakte bisher zu Menschen gehabt, die offen darüber geredet haben, also man weiß es ja leider nie genau manche Menschen möchten ja auch einfach nicht darüber sprechen, wenn sie betroffen sind, aber es ist halt mich auf jeden Fall zum Denken angeregt, mich selbst da und meine Einstellung zu dem Thema mal zu hinterfragen. 

Angelika: Gerade auf unsere Aussagen zum Thema Stigma haben mir auch vor Augen geführt, ist ein wichtiger Grund für die Hartnäckigkeit, mit der sich eben diese Vorurteile und Bilder, die wir von Arbeitslosen beziehungsweise Langzeitarbeitslosen in unseren Köpfen halten, auch auf den fehlenden Kontakt zu Betroffenen basiert. Wir haben ja auch gelernt, wie hoch der Stellenwert ist, den Arbeit in unserer Gesellschaft hat sowohl die Aktivierung, also, dass man überhaupt irgendwas tut, dass man. Mit irgendwas beschäftigt ist, dass man sich als Teil dieser Gesellschaft, als produktiver Teil dieser Gesellschaft, fühlt. Dass man sich aber auch mit der Arbeit identifiziert und dass man eben auch Kontakte knüpft und was, was das für eine Relevanz hat, dass man eben außerhalb seiner Familie Kontakte zu Kollegen und Kolleginnen pflegen kann. 

Krass fand ich es vor allen Dingen, aber auch unsere 3 Folge, also das Ausmaß des Zusammenhangs von Gesundheit und Arbeitslosigkeit und das, was wir jetzt am Ende nochmal festgehalten haben. Dass man eigentlich Menschen mehr dafür sensibilisieren müsste, das Betroffene von Arbeitslosigkeit sich in so einer Art Teufelskreis befinden können von Gesundheit und Arbeitslosigkeit, also Gesundheit beeinflusst Arbeitslosigkeit, Arbeitslosigkeit beeinflusst Gesundheit und die Gesundheit wird vielleicht immer schlimmer, je länger man arbeitslos ist und ja, damit erhöht sich eben auch die Sterblichkeit, und das finde ich schon ziemlich heftig, muss ich sagen. 

Serafina: Ja, auf jeden Fall. Naja, also die Thematik unseres Podcast oder unserer Podcast Reihe war auf jeden Fall schon sehr bewegend, aber ich muss auch sagen, dass mir das jetzt insgesamt Spaß gemacht hat, mal so einen Podcast aufzunehmen und dann auch ja die verschiedenen Ebenen zu durchlaufen. Das Recherchieren ist ja jetzt nichts Neues für uns, aber dann einmal ein anderes Format auszuprobieren. Ja, das dann wieder zugeben. Insofern hat es auf jeden Fall auch Spaß gemacht, so ernst das Thema vielleicht auch ist. Und ja, damit sind wir auf jeden Fall am Ende von unserer Folge von unserer Podcast Reihe wie immer findet ihr auch diesmal unsere Quellen unten verlinkt, geschrieben und wir hoffen natürlich, dass es euch auch diesmal wieder gefallen hat, und wünschen euch alles Gute! Bleibt gesund!

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Angelika Wetzel & Serafina Löber

Quellen

Teil 1:

Covid-19 Pandemie: Bundesagentur für Arbeit (2021): Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Hg. v. Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung Bundesagentur für Arbeit (Blickpunkt Arbeitsmarkt, Dezember und Jahr 2020).

Seit Hartz-Reformen diskutiertes Thema: Freier, Carolin (2016): Soziale Aktivierung von Arbeitslosen? Praktiken und Deutungen eines neuen Arbeitsmarktinstruments. 1st ed. Bielefeld: transcript Verlag (Gesellschaft der Unterschiede, 38). Online

Verhältnis Langzeitarbeitslose/ Kurzzeitarbeitslose: Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2018): Langzeitarbeitslosigkeit. Kurzinfo | Jahr 2018. Hg. v. Bundesagentur für Arbeit (Kurzinfo), Nürnberg. Online

Definitionen: Bundesagentur für Arbeit (2019): Arbeitsmarktsituation von langzeitarbeitslosen Menschen. Hg. v. Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung Bundesagentur für Arbeit. Nürnberg (Blickpunkt Arbeitsmarkt). Online 

Deutscher Caritasverband (2012): SGB II und III - Grundsicherung für Arbeitsuchende und Arbeitsförderung. Überblick, Gesetzestexte mit gekennzeichneten Änderungen, Stellungnahmen Stand: 1. April 2012. Freiburg: Lambertus-Verlag. Online 

Vermehrt auftretende Merkmale bei Langzeitarbeitslosen: Hirseland, Andreas; Kerschbaumer, Lukas; Küsters, Ivonne; Trappmann, Mark (2019): Langzeitleistungsbeziehende im SGB II: Unerwartete Übergänge in bedarfsdeckende Arbeit. (IAB-Kurzbericht, 20/2019). Hg. v. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. Nürnberg. Online 

Junge Menschen: Lallukka, Tea; Kerkelä, Martta; Ristikari, Tiina; Merikukka, Marko; Hiilamo, Heikki; Virtanen, Marian-na et al. (2019): Determinants of long-term unemployment in early adulthood. A Finnish birth co-hort study. In: SSM - population health 8, S. 100410.  Online

Europäischer Vergleich: Bundesagentur für Arbeit (2019): Arbeitsmarktsituation von langzeitarbeitslosen Menschen. Hg. v. Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung Bundesagentur für Arbeit. Nürnberg (Blickpunkt Arbeitsmarkt). Online 


Teil 2:

Identifizierung & Kapitalismus: Kleemann, F., Matuschek, I., & Voß, G. G. (1999). Zur Subjektivierung von Arbeit. (Papers / Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Querschnittsgruppe Arbeit und Ökologie, 99-512). Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH, online

Normalarbeitsverhältnis: Destatis Statistisches Bundesamt: Normalarbeitsverhältnis. Online

Stigma bei Erving Goffman: Goffman, Erving (2003): Stigma. Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität. Sonderausg., 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft).

Messung von Stigma: Gurr, Thomas; Jungbauer-Gans, Monika (2013): Stigma consciousness among the unemployed and prejudices against them. Development of two scales for the 7th wave of the panel study “Labour Market and Social Security (PASS)”. In: J Labour Market Res 46 (4), S. 335–351, online

Einflussfaktoren: Lang, Sebastian; Gross, Christiane (2019): Einflussfaktoren auf das Stigmabewusstsein Arbeitsloser. In: Zeitschrift für Soziologie 48 (4), S. 243–262, online 

Auswirkungen: Gurr, Thomas; Jungbauer-Gans, Monika (2017): Eine Untersuchung zu Erfahrungen Betroffener mit dem Stigma Arbeitslosigkeit. In: SozProb 28 (1), S. 25–50. DOI: 10.1007/s41059-017-0028-5, online 

Krug, Gerhard; Drasch, Katrin; Jungbauer-Gans, Monika (2019): The social stigma of unemployment. Consequences of stigma consciousness on job search attitudes, behaviour and success. In: J Labour Market Res 53 (1), S. 49. online 

Nüß, Patrick (2018): Duration dependence as an unemployment stigma. Evidence from a field experiment in Germany. Hg. v. Kiel University, Department of Economics. Kiel (Economics Working Paper, 06/2018).


Teil 3:

Marienthal: Fleck, Christian (2000): Die Arbeitslosen von Marienthal. ein soziographischer Versuch über die Wir-kung von langdauernder Arbeitslosigkeit. In: Dirk Käsler und Ludgera Vogt (Hg.): Hauptwerke der Soziologie. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag (Kröners Taschenausgabe, 396), S. 221–226.

Jahoda, Marie; Lazarsfeld, Paul Felix; Zeisel, Hans (2018 [1933]): Die Arbeitslosen von Marienthal. Ein soziographischer Versuch über die Wirkungen langandauernder Arbeitslosigkeit. mit einem An-hang zur Geschichte der Soziographie. 26. Auflage. Frankfurt am Main, Leipzig: Suhrkamp Verlag (Edition Suhrkamp, 769).

Studien: Kroll, Lars Eric; Müters, Stephan; Lampert, Thomas (2016): Arbeitslosigkeit und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit. Ein Überblick zum Forschungsstand und zu aktuellen Daten der Studien GEDA 2010 und GEDA 2012. In: Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz 59 (2), S. 228–237, online 

Weber, Andreas; Hörmann, Georg; Heipertz, Walther (2007): Arbeitslosigkeit und Gesundheit aus sozialmedizinischer Sicht. In: Deutsches Ärzteblatt 104 (43), A 2957–62.

Kausationseffekt und Selektionseffekt: Herbig, Britta; Dragano, Nico; Angerer, Peter (2013): Gesundheitliche Situation von langzeitarbeitslosen Menschen. In: Deutsches Ärzteblatt international 110 (23-24), S. 413–419, online 



Name

Alexander Lenk,1,Aline Lupa / Isabella Kaul,1,Alltagsleben,1,Andreas Hofmann / Anna Westner / Marius Gerards,1,Angelika Wetzel,1,Angelika Wetzel / Serafina Löber,1,Anh Hoang / Christopher Fritz / Annina Morr,1,Anna Haar / Isabel Buchmann,1,Anna Haar / Maj-Britt Klages / Corinna Weiß,1,Anne Haußner / Nele Damm / Laura Milda Weinheimer,1,Anne Haußner / Nele Damm / Melisa Meral,1,Annett Wadewitz,2,Antonia Leymann / Hannes Richter,1,Arvid Becker,1,Bundestagswahl 2021,3,Carolin Haselmann / Luise Graw / Julius Spreckelsen,1,Christopher Fritz / Carla van der Minde / Simeon Raban Dilßner,1,Claudia Buder,1,Claudia Buder / Annett Wadewitz,1,Denise Brosda,1,DX,1,Felicitas Rösch,1,Finja Carstensen / Julia Gräfe / Victorie Henning,1,Florian Fried,2,Franziska Mehlhase,1,Helene Walther / Adrian Nehls,3,Ina-Berit Leuchs,2,Jeanne Handro,1,Joshua Bode / Lukas Zipris /Vanessa Oestert,1,Julia Zakusek / Chiara Osorio Krauter / Emily Quirmbach,1,Katarina Rönnicke,1,Kati Renard,1,Klara Hofmann,1,Kolja Grohmann,1,Lea Gudowski / Carla von der Minde / Niklas Kohl,1,Lennart Bugoslawski / Friederike Zimmermann,1,Lewin Fricke,1,Lisa Fritsch,1,Lucas Krentel,1,Luise Graw / Lea Gudowski / Niklas Kohl,1,Maj-Britt Klages / Marcel Maier / Melisa Meral,1,Miriam Pospiech / Carolin Engelhardt / Aline Lupa / Isabella Kaul,1,Miriam Pospiech / Isabella Kaul,1,Naomi Gänsler,1,Noa Groicher,2,Phila Händler,1,Rainer Niemann / Johannes Koberstein,1,RM,1,Roland Verwiebe,1,Seminargruppe 2020/21,1,Serafina Löber,1,Serafina Löber / Franziska Mehlhase / Angelika Wetzel,1,Simon Kuntze,1,Siri Handloegten,1,xAdrian Nehls,3,xAlexander Lenk,1,xAline Lupa,2,xAlltagsleben,17,xAmazon,3,xAndreas Hofmann,1,xAngelika Wetzel,3,xAnh Hoang,1,xAnna Haar,2,xAnna Westner,1,xAnne Haußner,2,xAnnett Wadewitz,4,xAnnina Morr,1,xAntonia Leymann,1,xArbeit,5,xArvid Becker,1,xAudio,4,xBildung und Kultur,11,xCarla van der Minde,2,xCarolin Engelhardt,1,xCarolin Haselmann,1,xChiara Osorio Krauter,1,xChristopher Fritz,1,xClaudia Buder,3,xCorinna Weiß,1,xDenise Brosda,1,xDigitalisierung,15,xDX,1,xEmily Quirmbach,1,xFelicitas Rösch,1,xFinja Carstensen,1,xFlorian Fried,2,xFranziska Mehlhase,2,xFriederike Zimmermann,1,xHannes Richter,1,xHelene Walther,3,xIna-Berit Leuchs,2,xIsabel Buchmann,1,xIsabella Kaul,3,xJacob Gustavs,1,xJeanne Handro,1,xJohannes Koberstein,1,xJoshua Bode,1,xJulia Gräfe,1,xJulia Zakusek,1,xJulius Spreckelsen,1,xKatarina Rönnicke,1,xKati Renard,1,xKlara Hofmann,1,xKolja Grohmann,1,xLaura Milda Weinheimer,1,xLea Gudowski,2,xLehrforschung 2020,2,xLennart Bugoslawski,1,xLewin Fricke,1,xLisa Fritsch,1,xLucas Krentel,1,xLuise Graw,2,xLukas Zipris,1,xLuna Schlender,1,xMaj-Britt Klages,2,xMarcel Maier,1,xMarius Gerards,1,xMelisa Meral,2,xMiriam Pospiech,2,xNaomi Gänsler,1,xNele Damm,2,xNiklas Kohl,2,xNoa Groicher,2,xPhila Hädler,1,xPolitik,11,xRainer Niemann,1,xRenteneintritt,1,xRM,1,xRoland Verwiebe,2,xSamuel Debbas,1,xSerafina Löber,3,xSimeon Raban Dilßner,1,xSimon Kuntze,1,xSiri Handloegten,1,xSteffen Hagemann,1,xVanessa Oestert,1,xVictorie Henning,1,xVideo,1,xWahlen21,3,
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Breaking Hartz - Eine Podcastreihe über Langzeitarbeitslosigkeit
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